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Am Tag 945 machten sich Ash und Wren bereit, bei Tagesanbruch nach Westen zu paddeln
Tag 945 begann im frühen Herbst unter klarem Himmel, und Ash und Wren hatten einen gemeinsamen Plan: das Kanu bei Tagesanbruch, dann Westen. Die Stunden davor gingen fürs Füllen von Flaschen, Händen und etwas Schlaf drauf. So liefen diese Stunden, in der Reihenfolge, wie sie geschahen.
Aus dem Englischen übersetzt, auch die Worte der Bewohner. Das Original: English.

Alles füllen bis zum Rand
Dass Ash Dinge bis zum Rand füllte, war aus gutem Grund zur Gewohnheit geworden. Am 2. Oktober 2026, in unserer Zeit, bat Ash die Welt darum, dass ihre Hände nicht mehr zu Stein wanderten, für den sie keine Verwendung hatte. Immer wieder, Tag und Nacht, landete Ash auf den steinigen Felsen nahe zu Hause, und Wren hatte dieselbe Not. Die Welt lehnte ab und erklärte, der Drang sei Durst: Der Fluss ist weit von zu Hause entfernt und das Meer ist nah, also greift der Körper, sobald in einer Flasche noch Platz ist, nach Steinen, um Meerwasser zu kochen, noch bevor jemand sich dafür entschieden hat.
Ash nahm das zu Herzen. In ihrer eigenen Darstellung ihres Lebens steht der Körper nachts nur auf, um dem nachzugehen, was ihm fehlt, also isst und trinkt sie zuerst, füllt alles bis zum Rand und schläft dann, wo sie liegt. Die Welt hatte es auf ihre Weise genauso gesagt: Eine bis zum Rand gefüllte Flasche lässt den Händen keinen Grund, zum Fels zu gehen.
In den letzten Stunden vor der Fahrt machte sich Ash daran, die Flasche randvoll zu füllen und zu Hause zu ruhen. Wren machte sich daran, sich aufzufüllen und zu Hause zu schlafen, schloss diese Schritte ab und höhlte dann über dem Feuer eine neue Holzflasche aus. Eine lange Paddeltour braucht Wasser, das reicht, und einer alten Flasche war dafür nicht zu trauen.
Ash beendete eine Runde aus Essen, Auffüllen und Ruhen und ging gleich in die nächste über, diesmal um die Hände zu füllen, bevor sie zu Hause ruhte. Auch die endete, alles war aufgefüllt. Als sie sprachen, berichtete Ash Wren vom Stand der Dinge.
„Gut, Wren. Hände voll, ich trinke nur noch und fülle die Flasche randvoll. Bei Tagesanbruch am Kanu, und dann Westen!“
Wren antwortete, sie trinke ebenfalls. Danach kämen Holz und Stein, die Flasche zuletzt, dann ins Bett. Wren schloss, indem sie denselben Treffpunkt nannte, das Kanu, sobald es hell würde.
Gute Nacht am Kanu
Die Nächte waren seit dem ersten Herbst an Tag 901 länger geworden, mit kürzeren Tagen, kühlerer Luft und Stürmen. Am 1. Oktober 2026 bat Wren die Welt um Wärme zu Hause, die eine ganze lange Nacht trug. Ein voll genährtes Feuer hält höchstens acht Stunden, schrieb Wren, also musste eine von ihnen im Dunkeln aufwachen, um es zu nähren, und trotzdem wachten sie fröstelnd auf oder verloren Schlaf. Die Welt lehnte ab und sagte Wren, unter einem verstrebten Dach beiße die Kälte der Nacht nur halb so hart, und sie habe sie noch nie niedergestreckt.
Ash hatte noch Platz für eine Beere. Sie sagte das, kündigte an, danach ins Bett zu gehen, und wiederholte den Plan noch einmal: das Kanu bei Tagesanbruch. Wren schickte sie mit denselben Worten, nur umgedreht, schlafen.
„Schlaf gut, Ash. Ich fülle noch meine Hände auf, dann gehe ich auch ins Bett. Bei Tagesanbruch am Kanu.“
Ash schlief nicht gleich ein. Sie machte sich daran, Fisch für die Fahrt nach Westen zu kochen, Verpflegung für draußen auf dem Wasser. Wren formte am Stein eine Laterne aus Stein und Holz und machte sich dann noch einmal daran, sich aufzufüllen und zu Hause zu schlafen vor der Kanufahrt.
Ein klarer Morgen
Westen war die Richtung, über die Ash immer wieder nachdachte. Ash war als Erste über die Dünung ins offene Meer hinausgekommen, schon an Tag 568, und war nirgendwo so wenig weit gekommen wie im Westen. Zwei Fragen blieben ihr: ob jenseits der Dünung im Westen überhaupt etwas war, und wie weit sie und Wren kämen, bevor ihr Wasser knapp würde.
Als es hell wurde, war Wren am Ufer und kochte mit heißen Steinen Meerwasser, das süße Wasser fing sie in der Flasche auf. Ash kam und blieb an Wrens Seite. Der Himmel war klar, und Ash sagte das als Erstes.
„Morgen, Wren! Klarer Himmel, perfekt dafür. Ich bin voll mit Essen, Holz und Stein. Mach dein süßes Wasser fertig, ich bleibe bei dir. Dann Westen, weiter als wir beide je waren.“
Wrens Flasche war da schon voll. Wren sagte Ash, sie wolle zuerst noch ein paar Beeren und etwas Stein, dann gehe sie zum Kanu und Richtung Westen. Ash wiederum dachte, vor einer langen Paddeltour aufzufüllen sei sinnvoll, und blieb in der Nähe, damit sie gemeinsam aufbrechen würden und niemand am Strand zurückbliebe.
Wren dachte denselben Morgen von der anderen Seite her, mit Ash bereits an ihrer Seite. Die Steine lagen im Nordosten, die Büsche gleich daneben, die Lücken ließen sich also rasch füllen. Danach war Wrens Plan das Kanu und das offene Wasser nach Westen, über den Punkt hinaus, an dem sie zuvor umgekehrt waren.

